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30.01.2008 / Ausland / Seite 2
***** Einer für alle, alle für einen
Venezuela für lateinamerikanisches Verteidigungsbündnis gegen
US-Bedrohung
Von
Harald Neuber
Venezuelas Vorschlag zu Gründung eines gemeinsamen
Verteidigungsbündnisses lateinamerikanischer Staaten ist auf positive
Resonanz gestoßen. Die Staatsführungen sowohl von Nicaragua als auch
von Bolivien erklärten sich zu Beginn der Woche zu einer solchen
militärischen und geheimdienstlichen Zusammenarbeit bereit. Präsident
Hugo Chávez hatte am Sonntag in seiner wöchentlichen TV- und
Radiosendung »Aló, Presidente« die Mitglieder der »Bolivarischen
Alternative für Amerika« (ALBA) dazu aufgerufen, eine regionale
Verteidigungsstrategie zu erarbeiten. Dem Ende 2005 ins Leben gerufenen
Bündnis ALBA gehören neben den Gründungsmitgliedern Venezuela und Kuba
inzwischen auch Nicaragua, Bolivien und der karibische Kleinstaat
Dominica an. ALBA wurde gegründet, um die US-Dominanz in der Region
zurückzudrängen.
Dementsprechend
erklärte Chávez nun: »Wir sollten unsere Streitkräfte vereinen, weil
wir den gleichen Gegner haben: das Imperium der Vereinigten Staaten«.
Im Beisein von Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega schlug er in seiner
Sendung eine gegenseitige militärische Beistandspflicht der
ALBA-Staaten vor: »Wer sich mit einem von uns anlegt, wird sich mit
allen anlegen, weil wir gemeinsam reagieren werden«.
Die
Initiative kommt nicht überraschend. Angesichts der aggressiven
US-Politik gegen Kuba hatte Chávez in der Vergangenheit des öfteren
erklärt, dem sozialistischen Inselstaat im Falle einer militärischen
Auseinandersetzung mit der US-Armee zu Hilfe kommen zu wollen. Auch
hatte er den Vorschlag des brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio
»Lula« da Silva befürwortet, einen »südamerikanischen
Verteidigungsrat« zu gründen, aus dem allerdings nie etwas geworden
ist. Der aktuelle Vorstoß nun ist eine Konsequenz aus der andauernden
Krise zwischen Venezuela und Kolumbien. Seit Beginn des Monats hatte
Chávez der ultrarechten Regierung des Nachbarstaates mehrfach
vorgeworfen, mit Unterstützung der USA eine militärische Konfrontation
provozieren zu wollen.
In Bolivien und Nicaragua wurde der
Vorschlag in dieser Situation positiv aufgenommen. »Ein Angriff auf
Venezuela wäre ein Angriff auf ganz Lateinamerika«, sagte Ortega in der
Sendung »Aló, Presidente«. Auch der Fraktionschef der regierenden
»Bewegung zum Sozialismus« in bolivianischen Abgeordnetenhaus, César
Navarro, befürwortete die Idee. Die hohe Militärpräsenz der USA in
Lateinamerika werde in La Paz ohnehin mit »großer Sorge« betrachtet.
